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Gerhard Brandstetter's Blog

Micromineralien aus Plöcking, OÖ (sorry, in german)

30th Dec 2007

Micromineralien aus PLÖCKING/Mühlviertel, Oberösterreich

Seit 1620 ist der Steinbruch bei Plöcking (dzt. Fa. Poschacher) nahe St.Martin im Mühlkreis bereits in Betrieb. Der dabei gewonnene Granit diente z.B. als Baustein für das Stift St. Florian. Besondere Mineralfunde sind trotz der langen Betriebsperiode jedoch noch nirgends erwähnt. Bei etlichen Besuchen wurden jedoch eine ganze Reihe teilweise recht schöner und ungewöhnlicher Micromineralien gefunden.

Der Granitpluton von Neuhaus/Plöcking besteht aus recht feinkörnigem Biotitgranit, recht ähnlich den Graniten vom Typ Mauthausen. Das Gebiet ist durch mehrere Steinbrüche aufgeschlossen, über den benachbarten Abbau der Firma Resch in Kleinzell wurde in den letzten Geonachrichten kurz berichtet.
Der feinkörnige Granit im Poschacherbruch ist durchzogen von schmalen Pegmatit- (sammlerisch wenig ergiebig) und Aplitgängen. Immer wieder werden , derbe, filzige Kluftbeläge beobachtet, die aus Zeolithen bestehen. Diese Spaltenfüllungen erreichen oft recht großen Ausmaße bis zu mehreren Quadratmetern. Selten reißen diese extrem schmalen Klüftchen auf, liefern dann aber schöne Kriställchen von Desmin und Laumontit.
Die pegmatitischen Gänge weisen eine bescheidene Erzführung auf. Hier wurde Sphalerit in Begleitung von Pyrit gefunden, in anderen Bereichen kam Scheelit zusammen mit Molybdänit vor. Im kurzwelligen UV-Licht sehen diese Proben recht hübsch aus.

Für uns Sammler am interessantesten sind zweifellos die kleinen Hohlräume des hellen Aplits. Durch die auffällige Chloritisierung des Gesteins weist das Material auf den ersten Blick Ähnlichkeiten mit alpinen Paragenesen auf.
Auch die Ausbildung einiger Mineralien ist wenig typisch für bisherige Funde aus dem Mühlviertel. Im Folgenden sollen daher diese Funde gesondert besprochen werden. Da alle Kristallgrößen stets im Microbereich angesiedelt sind, wird generell auf Größenangaben verzichtet.

Albit bildet die Hauptmasse des Aplits. Durch die vielen winzigen Hohlräume ist das Gestein recht bröselig. Die Kristalle weisen Periklinhabitus auf. Alle anderen Mineralien sind auf Albit aufgewachsen.

Allanit ist eines der häufigeren Minerale. Dr. Giester vom Mineralogischen Institut sei hier besonders für seine Hilfe gedankt. Die Einkristalldiffraktrometrie ergab ein Mitglied der Epidot-Familie. Eine halbquanitative Analyse zeigte deutliche Cergehalte, auch Lanthan und andere Erden Seltene wurden nachgewiesen. Damit ist Allanit bestätigt. Die braunen, durchscheinenden Kristallstengel sind meist wirr verwachsen und oft mit Ilmenit vergesellschaftet. Diese Paragenese zählt sicherlich zu den optisch attraktiveren Funden aus Plöcking.

Anatas zeigt winzigste blaue Täfelchen. Selten treten Pseudomorphosen nach einem unbekannten Mineral (Titanit?) auf.

Apatit ist wieder recht typisch für das Vorkommen. Die Ausbildung der Kristalle ist recht vielfältig. Meist treten farblose, durchsichtige Prismen mit verschiedensten Kristallformen und -flächen auf. Grünliche Farbtöne sind eher selten. Ein schwarzes Mineral ist gelegentlich eingewachsen, hier können auch Phantomkristalle beobachtet werden. Ein Microsammler hat mit diesen Stüfchen sicher seine Freude.

Chlorit kleidet die Hohlräume sehr oft aus, schöne Aggregate bildet er allerdings nicht.

Gips xx sind eher rezent durch die Verwitterung des Pyrrhotins entstanden.

Ilmenit kann sogar Ansätze zu Eisenrosen-Aggregaten zeigen. Meist sind die hochglänzenden Tafeln flach auf Albit aufgewachsen. Die hübsche Paragenese mit Allanit wurde bereits erwähnt.

Laumontit tritt ebenfalls in diesen Hohlräumchen auf. Dieser Zeolith ist mit seinen schrägen Kopfflächen kaum zu verwechseln. Die weißen, langprismatischen Kristalle bilden recht nette xx-Aggregate.

Muskowit ist nach Albit und neben Chlorit das häufigste Mineral. Zu Unrecht werden die herrlichen Kristallbildungen von vielen Sammlern eher ignoriert. Gerade dieser Glimmer ist aber zweifellos ein wunderschönes Mineral, ganz besonders natürlich in der schönen Ausbildung wie hier.

Prehnit ist ausgesprochen selten. Am ehesten treten die weißen Kriställchen zusammen mit Laumontit auf.

Pyrit bildet die üblichen würfeligen Kristalle. Meist sind diese in Limonit umgewandelt, aber auch frisch glänzend kann man sie mit Glück finden.

Pyrrhotin (Magnetkies) kommt nur derb vor. Leider zeigt er seine unangenehme Eigenart auch hier: Er zersetzt sich einfach zu Gips und anderen Sulfaten.

Quarz darf natürlich auch nicht fehlen, ist aber auffallend selten kristallisiert. Dann bildet er dafür recht hübsche kleine Bergkristalle, schön klar und glänzend. Gelegentlich sind diese Kriställchen etwas angeätzt.

Rutil kommt meist zusammen mit Quarz vor, gelegentlich ist er sogar in kleinen Bergkristallen eingeschlossen. Immer wieder findet man auch hübsche, kleine Sagenitgitter, ähnlich den Alpinfunden. Die Farbe reicht von gelbbraun bis tiefschwarz.

Titanit ist eines der schönsten Mineralien des Steinbruchs. Die rotbraunen Kristalle sind unverzwillingt. Meist sind sie schön glänzend und durchsichtig - man denkt sofort wieder an die Alpen. Im Hohlraum frei gewachsene Kristalle kommen in unserem Mühlviertel sonst kaum vor, der Fund ist daher schon recht ungewöhnlich und war eine nette Überraschung.

Zirkon findet man eher selten in den Hohlräumen. Es darf als sicher gelten, daß er auch hier aus dem zersetzten Nebengestein eingeschwemmt wurde und keine hydothermale Neubildung darstellt. Dies ist ja durchaus üblich.
Die rotgraunen, durchsichtigen Kristalle sind alle doppelendig ausgebildet.

Alles zusammen also eine recht hübsche und vielfältige Paragenese. Es muß allerdings auch erwähnt werden, daß die meisten Mineralien eher Raritäten sind - die stundenlange Suche unter dem Mikroskop erfordert schon recht viel Geduld. Allerdings wird diese durchaus belohnt. Hoffen wir, daß der Fundort weiterhin aktuell bleibt und es auch weiterhin nette Kleinfunde gibt.




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Comments

Very nice report, Gerhard !
It seems as if the Plöcking Quarry is not listed in Mindat. Perhaps you could enter it to capture your findings?

Toller Bericht, habe die Fundstelle jedoch nicht in Mindat gefunden. Vielleicht solltest du sie eingeben?

Alfred Passath
31st Dec 2007 9:50am
Schöner Bericht.
Ich untersuche seit ein paar Monaten MMs von Unbekannteriten von Herrn Peter Neschen, einem exzellenten Kenner der Plöcking-Brüche - kennt ihr euch?

Uwe Kolitsch
31st Dec 2007 11:49am
Hallo Uwe und Alfred,

Die Fundstelle Plöcking werde ich sicher bei mindat eingeben und ein paar bilder von sicher bestimmten mineralien eingeben. Peter Neschen ist ein ganz lieber, langjähriger sammlerfreund von mir. Ich hatte das Glück, zufällig über den Steinbruch uns seinen Inhalt zu stolpern. Peter war einer der ersten, dem ich es dann erzählt habe.

hello, it takes some time but i'll list Plöcking quarry in Mindat together with some photos

Gerhard Brandstetter
7th Jan 2008 8:00pm
Schöner und interessanter Artikel. Freut mich immer wenn Funde aus Österreich publiziert werden.

Christian Auer
12th Jan 2008 7:20pm

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